
km 1647: Rauf und runter. Den ganzen Tag. Am Ende kommen 1242 Höhenmeter zusammen. Und über die ersten 100 muss ich schmunzeln: die waren zum warm machen. Rauf auf den Berg um dann zu merken, falsch gefahren. Umgekehren und zurück. Heute dachte ich oft an meine Tour vom letzten Jahr und fragte mich, wie ich das geschafft habe. Da gab es einiger mehr an km und Höhenmetern, aber fand ich es auch so anstrengend? Da werde ich wohl mein Reisetagebuch rauskrammen und nachlesen, demnächst. Nach dem falschen Berg ging es schön direkt am Lyngdalsfjorden entlang bis nach Farsund. Und ging es dann in die Bergetappe. Die 35 km bis Kvinsdal waren super anstrengend. Zwei nicht mehr ganz so junge Radfahrer kamen mir entgegen. Respekt! Ich hoffe in den Alter auch noch so fit zu sein und nicht mit Bierbauch vor der Glotze zu hängen. Auch hier am Tagesziel in Flekkefjord ist noch ein Radler einer anderen Generation eingetroffen. Werde ihn dann mal nach seiner Tour befragen. Die letzten 20 km gingen mal wieder auf der E39 vorran. Ist sicher etwas viel Verkehr und gerade in den Tunneln unschön, aber die Anstiege sind nicht so steil und dafür eben länger. Krass. Schon bei 5 Prozent Steigung gibt es ne Kriechspur. Und Überhaupt. Auf den großen Straßen sind die Steigungen nie mehr als 7 Prozent. Schlappschwänze! Aber ich hab es ja heute auch genutzt. Auf so einer E-Straße gibt es eben Tunnel und Brücken die das Fahren erheblich erleichtern. Morgen wird es auch nochmal Berge geben. Zumindest auf der ersten Hälfte. Mein Ziel Vigrestad (30 km vor Bryne) liegt ja schon in der Jæren – Region, die ein nicht hat: Berge.

km 1554: Wie so oft: Kurz vor dem Ziel ist plötzlich und unerwartet noch ein Hinderniss zu überwinden. Bei mir heute: ein Berg. Steigungen von bis zu 13 Prozent und von 0 auf 212 Höhenmeter. Dazwischen natürlich nochmal kurz wieder runter und dann nochmal rauf. Das hat mich echt geschafft. Danach gab es die Abfahrt bis zum Zeltplatz in Lyngdal. Doch von vorn. Wo baut man sein Zelt auf? Richtig, so das am Morgen die Sonne das Zelt trocknet und man es nicht feucht einpacken muss. Tja, mein Zelt stand etwa 2 Meter daneben im Schatten. Klasse. Also nachdem alles raus war nochmal in der Sonne platziert. In der Zwischenzeit von einem Mountainbiker ein paar Streckentips geben lassen. Ich freu mich schon richtig auf die ersten Ausflüge, da garnicht weit von Bryne es schöne Dinge zu entdecken gibt. Halb elf ging es los und es gab einige Steigungen zu nehmen. Bis Mandal ging es nur auf einer schönen Küstenstraße entlang Es waren etwa gut 40 km und da ich so spät los bin, knurte mein Magen erheblich. Vorher noch schnell in die Bibo, die etwas versteckt lag. Der Typ, den ich danach fragte, brachte mich dann gleich hin. Sehr nett. Meine Mittagspause dehnte ich aus. Mit frischem Brot, Käse, Tomaten und heute zusätzlich noch mit Dosenfisch, saß ich am Hafen. Es wie auf einem Parkplatz: Boote legen an, Leute kaufen ein oder holen jemanden ab und fahren wieder. Ein reges Treiben. Um da nicht ewig zu versacken musste ich nicht zur Weiterfahrt zwingen. Nach einigen km Nebenstraße mußte ich für eine halbe Stunde auf die E39, war nicht schön ist. In Vigeland ging es wieder runter und an kleinen Fjorden, mit netten Häfen, Bootshäusern und Schiffen vorbei. In Spangereid, bestehend aus nicht mehr als einer handvoll Häuser, ging es dann quer rüber nach Lyngdal. Eben auch quer über die Berge.

km 1459: Jaja, so einige Steigungen gab es zu bewältigen. Das strengt schon ganz schön an. Und dann gibt es zwar erstaunlich viele Radwege, doch auch welche mit bis zu 19 Prozent anstieg. Einfach irre die Norweger! Oder doch vielleicht so gut durchtrainiert. Die Sonne war heute eine gute Begleitung und es machte Spaß mal wieder in die Pedalen zu treten. Vor allem ging es heute fast nur auf abgelegenen Nebenstraßen voran Zuerst rein nach Grimstad, dem Bibo-schild nicht wiederstehen können, aber danach gleich weiter. Um nicht auf der E39 nach Kristiansand zu fahren, ging es über einige Berge im Landesinneren. Wenn auch etwas anstrengend, doch schön an Bergseen vorbei, enge schmale Schotteswege,die aber so fest waren das sie super fahrbar waren, und einsamen entlegenen Häusern. In Birkeland dann erstmal Mittagspause. Danach ging es ohne großen Steigungen einen Fluß entlang nach Kristiansand. Die Stadt gefiel mir auf anhieb nicht, aber die Bibo fand ich trotzdem. Jaja, zweimal an einem Tag? Derzeit bin ich ja noch auf Wohnungssuche. Und Atle, mein Chef, hatte angeboten eine Anzeige aufzuheben. Die ist jetzt die nächsten Tage in zwei Zeitungen drin. Bin verdammt gespannt. Zumal man ja so seine Vorstellungen hat und ich überhaupt nicht weiß, ob das so alles geht. Und deswegen halt, brauch ich öfters Internet zwecks Mailkontakt mit Chef. Aber warum rechtfertige ich mich eigentlich? Da ich schon über 80 km hinter mir hatte, ging es dann nur noch ein paar km südwestlich weiter bis nach Langenes bei Søgne, wo mich die letzten Sonnenstrahlen wärmen. Jetzt noch abwaschen, duschen und in den Schlafsack kriechen.

km 1359: Um es gleich zu sagen: ein wunderbarer Tag. Herrlich, absolut! Heute morgen machte der Himmel noch einen unentschlossenen Eindruck. Blauer die bestimmende Farbe aber immer wieder schwarze Wolkenteppiche. Es war so schön still und außerdem das Zelt naß von der Nacht. Also war keine Eile geboten. Entspanntes Aufstehen, Frühstücken (es gibt immer Müsli mit frischer Banane in Fruchtjoghurt) und Rad bepacken. Jeden Morgen das Gleiche, also geht vieles schon mit Routine. Halb elf startete ich und verabschiedete mich wohl zum letzten Mal von den Beiden die auf die Namen Wim und Ans (sicherlich falsch geschrieben) hörten. Meine Tour führte über eine Nebenstraße von Risøya über Tvedestrand nach Arendal. Ein schöner Weg, vorbei an Seen und Fjorden, kleinen Dörfern und Häfen. Die Häuser oft direkt ans Wasser gebaut so das man direkt von der Terrasse ins Wasser springen oder Boot steigen kann. Bei jedem Zweiten Haus stellte ich mir vor anzuhalten und rein zu gehen, so als ob man da wohnt. Was für ein Glück müssen die Menschen hier haben. Auch so kleine Orte wie Trevestrand (siehe Foto)sind nett anzuschauen und ich nutzt natürlich die Gelegenheit zu einer mittaglichen Eispause :) Der Weg nach Arendal war kurz und dort musste ich mir erstmal war richtiger zu essen kaufen. Eis allein bringt es dann auch nicht. Im Ort dann die Bibo aufgesucht, oft das modernste öffentlich Gebäude der Stadt, und dann am Hafen rumgelümmelt und dem Treiben zugeschaut. Schon recht zeitig erreichte ich dann letztlich bei immer noch trockenen Wetter Grimstad, Marivold Camping. Etwas doof sah ich aus, als beim Smaltalk gefragt wurde, was an Leipzig berühmt/bekannt ist. Ähm, da musste ich lange überlegen und so richtig viel war es nicht, was mir einfiel. Naja, wenn ich mal wieder da bin, werd ich wohl die schon längst überfällige Stadtrundfahrt nachholen. Wenn morgen das Wetter mit macht, und das weiß hier am Abend zuvor noch niemand, wird es nach Kristiansand gehen und vielleicht noch ein paar km weiter westwärts.

km 1283: Dieser Holzkutter und der Regen bestimmten den heutigen Tag Als ich um 7 Uhr von meinem Handy geweckt wurde, trommelte der Regen heftigst auf mein Zelt. Ein nasses Gesicht beim kurzen Blick aus dem Zelt bestätigte den Eindruck: es regnet. Gestern abend das gleiche Spiel und so hatte ich schon vorraus geplant. Wenn es regnet nehm ich die erste Fähre nicht. Also blieb ich liegen. Gegen halb zehn hörte der Regen auf, ich frühstückte und lass ein wenig. Ich hatte ja Zeit, da der Kutter erst um 14 Uhr wieder fuhr. Als das Zelt schön trocken war, erneuter Regen. Aber es kam die Sonne ab und an mal durch und bis ich packte war es erneut getrocknet. Bis zum Hafen waren es nur 7 km und die schafften wir prima zusammen. Zusammen? Die beiden Holländer waren noch da. Der Regen setzte immer wieder ein und der Himmel sah nicht gut aus. Die Überfahrt nach Risør dauerte nicht lang. In den kleinen und schicken Örtchen erstmal zur Bank, ein paar Lebensmittel einkaufen und die Bibo aufgesucht. Als es mal wieder goss und man nichts mehr durch die Fenster vor lauter Wasser sah, kamen die beiden Bekannten rein. Mein Internet-Tip wollten sie testen und es klappte. Zusammen warteten wir etwa eine Stunde und nutzten die nächste Regenpause zum start. Eventuell würden wir uns auf einem bestimmten Zeltplatz treffen, aber es war nicht sicher. Vielleicht würde auch jeder einen anderen aufsuchen. Ich vor den beiden vorraus und kam auf dem geschlossen Platz an. Toilette, Dusche und Küche standen offen und können genutzt werden. Geld fürs Zelten soll einfach in eine Box geworden werden, die Preise sind angeschlagen. Noch bevor ich mein Zelt aufbauen konnte regnete es zum X-ten Mal. Unterstellen und warten. Da kamen dann die beiden auch an. Naja, und so kommt es das wir die zweite Nacht auf dem selben Platz sind. Wir haben zusammen gegessen, ich hab im Wäscheraum meine Leine aufgegangen wo nun unsere nassen Sachen hängen. Das Wetter für die nächsten Tage sieht nicht besser aus, laut www.storm.no. Warten wir mal ab. Zumindest gibt es für morgen keine Fähre, von der wir abhängig sind.