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4. September 2007,

Unsere erste Hüttentour

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Letzte Woche gab Anja reichlich Money für Regenhose, Regenjacke und Wanderschuhe aus und Anja ist nun auch seit Donnerstag Mitglied im DNT. Die logische Schlußfolgerung: Unsere erste Hüttentour war angesagt. Einfach mal etwas rauskommen und die neuen Klamotten testen.

Freitag nach der Arbeit gings los. Extra ne Stunde eher Schluß gemacht damit wir gegen 16 Uhr loskommen. Wie immer klappte das nicht ganz. Nach einer Stunde Anfahrt kamen wir dann gegen halb sechs in Hunndalen an, was etwas ne viertel Stunde vor dem Sirdal liegt. Unser Ziel war die Blåfjellhütte, etwa 3 Stunden vom Parkplatz entfernt und somit vor Einbruch der Dunkelheit erreichbar sein. Diesem kleinen Zeitdruck geschuldet sparten wir an großen Essens- und Fotopausen. Grund eins warum es trotz ausgiebiger Wandertour so wenige Bilder gibt.

Trotzdem, die drei Stunden ging es entlang an wunderbaren Seen und Bergen. Das erste Stück brachte uns gleich richtig ins Schwitzen, vom Regen des Vormittages was alles etwas aufgeweicht. Wir empfanden es als eine Schlammtour, im nachhinein betrachte waren es wohl eher Wüstenstaub. Die Wolken hielten sich zurück, die Sicht auf die Landschaft war super und zweimal trafen wir auch Leute: Einen Wanderer der lieber rannte als zu wandern und zwei Frauen die wir zuerst überholten und sie uns kurze Zeit dann wieder im Gegenzug, als wir mal wieder etwas vom Weg abgekommen sind.

Überhaupt passierte uns das öfters, ich glaube so richtig 2 mal. Nein, das war nicht weiter schlimm und wir fanden immer schnell zurück. Eine wasserdicht verpackte Karte begleitete uns zwar, aber für die Wegsuche waren die roten T´s ausschlaggebend. Diese kennzeichnen den Weg. In der Regel ist das nächste oder übernächste T immer schon zu sehen und man weiß wohin man geht. Doch wenn man zuviel quatscht, dann verpaßt man schonmal das eine oder andere T.

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Durch die Wolkendecke brach die Dämmerung pünktlich mit unserer Ankunft an der Hütte an. Der einzelne Jogger Wanderer, ne Frauenwandergruppe bestehend aus 4 Personen und noch 2 Typen waren auf der Hütte. Wir waren die letzten Ankömmlinge für den Abend und somit noch ausreichend Platz für uns. Die Hütte war toll! Einfach, aber gemütlich. Es ausreichend Kochutensilien, Kaminholz und Strom aus der Solaranlage. Wasser musste im nahegelegenen Fluss geholt werden, waschen konnte man sich auch dort. Matraze und Bettzeug waren warm und weich und in Kombination mit unseren Hüttenschlafsäcken (durch dünnes Leinenzeugs – hält nicht warm, spart nur die Bettwäsche) perfekt. Nach dem Essen vielen wir recht schnell in den Schlaf.

Am Samstagmorgen schien dann erstemal die Sonne, durch die Wolken. Den Wetterbericht hatten wir entgegen jeder Wandergrundlektion nicht studiert. Also gings nach einem leckeren Frühstück bestehend aus Tomatensuppe, Brot und Butter los (wir hatten nämlich den Käse im Kühlschrank liegen gelassen und nur Brot mit Butter war uns dann doch zu wenig). Wir wadeten uns durch Feuchtbiotope hindurch. Das Wasser stand teilweise bis zum Knöchel. Das Wasser brauchte nicht lange um die Löcher in meinen sicherlich schon 10 Jahre alten Meindl Wanderschuhen zu finden. Anjas Füße blieben in der neuen Ausrüstung trocken.

Mit etwa 7 Stunden Wanderung rechneten wir plus eine Stunde Pause. Der erste Teil der Tour führte uns Bergauf, ziemlich steil teilweise. Es war toll, doch leider sahen wir zunehmend weniger. Wir stiegen auf in die Wolken die immer dichter wurden und irgendwann auch ihre Nässe nicht mehr halten konnte. Eine Stunde nach Start setzte der Dauerregen ein der nicht mehr enden wollte. Auf diesem ersten Stück stürzte Anja auch, gerade in dem Moment wo wir beide bemerkten wie toll es hier ist. Naja, zum Glück sah es trotz der ersten Schmerzen nicht nach einer ernsthaften Verletzung aus, so das wir die Tour fortsetzen konnten.

Unser erster Zwischenziel sollten wir nach 3 Stunden erreichen. Nach 4 Stunden waren wir da. Theoretisch lagen nochmal 4 Stunden vor uns, woraus um es vorweg zu nehmen, 5 Stunden wurden. Für unser Zwischenziel hatten wir uns auf 1000 m hochgearbeitet (Hütte lag auf 600 m). Wir sahen außer dem Schild nicht viel und behaupten doch, es war sicherlich eine fantastische Landschaft.

Weiter führte uns der Weg nach einer kurzen Essenspause. Jetzt war das erste Ziel erreicht und wir ahnten, wir werden noch 5 Stunden vor uns haben. Es passierte kaum aufregendes. Bis zu dem Moment, wo das passierte was man nie hoft. Man weiß nicht mehr wohin man muss, woher man kommt. So richtig erklären können wir uns das nicht. Die Stelle war etwas unübersichtlich, es ging auf und ab und um einen Berg und es war plötzlich alles gleich, wir hatten den Weg verloren und mussten uns dazu noch gerade mit Essen versorgen. Die Gedanken waren woanders und plötzlich waren unsicher – wohin geht es weiter? Natürlich wählten wir nach reichlichen Überlegungen und kurzen Erkundungen fest überzeugt die falsche Richtung und liefen zurück. Ohne mich jetzt selber loben zu wollen, viel es mir jedoch fix auf. Zum Glück hatten wir nicht nur Regen und Nebel. Wir hatten auch Gegenwind und genau dadurch stellte ich fest, wir gehen falsch. Bei solch großen Schlechtwetterlagen wo wir stundenlang keinen böigen, wechselnden Wind, sondern gleichmäßigen Wind haben, kan dieser nicht so plötzlich drehen. Zum Glück erkannte ich kurze danach noch eine Felskannte, da ich mich an dieser Stelle vorher mal umgedreht hatte.

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Boa waren wir plötzlich unsicher. Wo lang jetzt? Eben noch so sicher das wir richtig gehen, nun doch wieder unsicher. Haben wir vor ner viertel Stunde so falsch gelegen? Zweifel mit der Windrichtung kommen auf. Hatten wir wirklich immer Gegenwind? Ach Mist verdammter. Anja blieb wohl noch am ruhigsten und meinte dann, “… entweder wir kommen zum Auto oder wieder zur Hütte zurück. Ist doch jetzt egal.” Also wechselten wir die Richtung abermals, kamen erneut zur Stelle wo wir uns schonmal nicht sicher waren und liefen einfach weiter. Schnell stellten wir fest, der Nebel ist der Gleiche doch das Gelände ist neu. Und dann zeichneten sich plötzlich Umrisse im Nebel ab. Vier einsame Wanderer kamen uns entgegen und bestätigten: wir sind auf dem richtigen Weg.

Weiter gings durch Regen und Nebel. Irgendwann wurde der 10 kg – Rucksack auch schwerer und schwerer. Meine Schuhe waren schon lange durch, meine neue Regenhose nun auch, meine Regenjacke ebenso. Auf den ersten Blick mag das jetzt nach schlechtem Produkt klingen und gern lass ich mich überzeugen, das solche GoreTex – Sachen 10 Stunden Dauerregen aushalten sollen. Doch ich glaube nicht daran. Sie haben wirklich viele viele Stunden dem Wetter standgehalten. Doch wenn man eben kein Gummi oder Plastikfolie tragen will, wirds halt irgendwann feucht drunter.

Irgendwann stürzte ich noch ein-, zweimal, lag wie ein Käfer auf dem Rücken hilflos da. Anja versank ne halbe Stunde vor Ziel bis zu den Knien im Schlamm und wässerte ihre Schuhe bei der darauffolgenden Reinigungsaktion von innen. Glücklich und doch schon geschafft waren wir dann gegen halb acht am Auto, wechselten unsere Klamotten und düssten nach Hause. Beim Blick aus dem Auto auf die wolkenverhangenen Berge schüttelten wir mit dem Kopf und dachten: “Bei so einem Wetter kann man doch nicht wandern”. Doch kann man, wir wir uns selbst bewiesen haben.

Noch ein paar Fotos gibts in der Gallery.