
Dreimal stand ich heute schon auf der Waage. Dreimal mit dem selben Ergebnis. Keine einzige Schwankung. Nix. Immer bei genau 2.5 kg mehr als gewöhnlich stoppte der Zeiger so als ob er mit Magneten zum Ziel geführt wird. Grrrr! Jetzt hab ich ihn, den Urlaubsspeck. Waren es lag? Vielleicht an den täglichen 2 Litern Bier oder dem nahrhaften Essen, insbesonderen den leckeren Törtchen und anderen süßen Verführungen die uns zum Nachtisch gereicht wurden? Wer weiß es jetzt schon so genau was die Ursache ist. Schließlich kenne ich nun die Auswirkungen und das reicht mir.
Seit zwei Tagen sind wir wieder in Norwegen und außer überflüssigen Pfunden frag ich mich, was vom Urlaub noch übrig geblieben ist. Eine Woche Hotelurlaub in Bulgarien über den Anja schon ausführlich geschrieben hat. Auch ich bin echt froh diese Tour nicht in der Hochsaison gemacht zu haben. Am ersten Sonntag waren die Händler und Chefköche noch recht hartnäckig beim Umwerben potentieller Kunden. Danach ließ dies zum Glück täglich nach, aber ich empfinde sowas grundsätzlich nicht als Angenehm. Die neu gewonnene Zurückhaltung entwickelte sich dann oft in Unfreundlichkeit. Klar, der Sommer war sicher hart. Aber wieder fühlten wir zwei uns nicht wohl. Unfreundlichkeit schlug uns nicht nur einmal entgegen, es war kein Einzelfall den wir jetzt hochbauschen. Es begegnete uns sehr oft. Jedes Mal wenn wir einem freundlichen Wessen begegneten, viel uns dies extrem auf und wir freuten uns wie Schneekönige.

Ab und an kamen wir im Bus oder Hotel dann doch mit ein paar “locals” ins Gespräch. Zusammen mit dem was unser Augen außerhalb der schicken Hotelanlage sahen, ergab sich ein ganz anderes Bild von Bulgarien. Eins das sicher die Ballermanntouristen die sich zu Zehntausenden im Sommer an den Stränden und Bars tummelt, sich für wenige Euros die Birnen zukippen und glauben die Könige zu sein, sicher nie sehen. Unsere Ausflüge ware nicht extrem und besonders weit weg. Aber ständig schmutzigen Straßen, verdreckte Luft – obwohl wir ja eigentlich am Meer waren -, überall Müll, ungepflegte Gründstücke, runtergekommene Häuser. Der öffentliche Nahverkehr besteht zu einem Teil aus Bussen die schon zu kommunistischen Zeiten genutzt wurden und zum anderen Teil aus Bussen die aus Deutschland kamen. Dort wurden sie jedoch schon vor Zeiten ausrangiert und dann nicht auf den Schrottplatz, sondern nach Bulgarien verkauft. So sieht man immer wieder Busse älteren Baujahres mit deutscher Reisebürowerbung aber bulgarischen Kennzeichen. Um zu überlegen braucht man zwei Jobbs. Eine Kellnerin erzählte das sie sich einen zweiten Job besorgt hat um sich mal ein Auto zu leisten.

Gegenüber dem Cafe auf der anderen Straßenseite stehen dann BMW, Mercedes, Porsche und Bentley. Die gehören den Leuten die man am liebsten nicht kennenlernen will. Ihr Geld haben die meisten sicher mit dem Land gemacht wo jetzt die fetten Hotels drauf stehen. Oder mit was auch immer. Die Schere klafft weit auseinander und wird sich in Zukunft mehr öffnen als schließen. Und irgendwie trägt man dazu bei als Tourist, als Tourist in einer Bettenburg. Man geht in die dicken Hotels und ich möchte nicht wissen, wieviel Prozent meiner Übernachtungskosten eigentlich bei den Angestellten in Küche, Rezeption, … ankommt und wer sich da voher schon die Taschen vollhaut. Man reist in ein Touristenzentrum wo ein kultureller Ausverkauf stattfindet und ich das Umwerben pot. Kunden aus meiner Sicht entwürdigend für die Verkäufer ist. Ob sie sich wohl fühlen in ihrer Haut?

Nun gut. Klar gab es auch positive Erfahrungen, nette Menschen. Für uns bleibt die positive Erfahrung in Zukunft wohl nicht so schnell so nen Hotelurlaub wieder zu machen. Individuelles Reisen, kleiner und feiner statt Masse. Versuchen nicht so sehr Teil der Tourismusindustrie zu sein. Das sind neben der Entspannung die uns trotzdem der Urlaub brachte, die Erkenntis die uns übrig bleibt. Unser Gefühl lockt uns derzeit nicht so schnell wieder nach Bulgarien doch wir haben den Glauben, mit einer individuellen Tour außerhalb der Tourizentren vielleicht doch nochmal zurück zu kommen und dann ein echtes, autentisches Bulgarien mit würdevollen Menschen zu erleben.
Hier noch ein paar weitere Bilder vom Urlaub. Die Übersicht gibts wie immer in der Galerie.
Diesen Urlaubsspeck wirst du bestimmt bald wieder los.Was du sonst noch schreibst, sieht wirklich schlimm aus.Uns geht es echt gut!!!!!!
Ja, da fragt man sich, wie man es richtig machen soll…Hinfahren und die Reichen mit ihren miserabel verdienenden Mitarbeiternn noch reicher machen. Oder den Leuten selbst den Ausbeuterjob noch entziehen. Wirklich schwierig. Am besten wäre wohl, Hostel mit Selbstverpflegung vom Markt und mal ne bezahlte Stadtführung machen oder so ähnlich.
@Eltern: Man kommt aus Bulgarien und fliegt zurück nach Norwegen, dem Land mit dem höchsten Lebensstandard. Tsss .. das kommt man echt zum Nachdenken und plötzlich relativiert sich wieder vieles. Das Gute daran – man sieht wider wie saugut es ein wirklich geht.
@Forelle: Es ist halt schade zu sehen, welch soziales Ungleichgewicht herscht. Mein Gefühl war eben, das es nicht natürlich Gewachsen ist, sondern eins-fix-drei aus dem Boden gestampft ist. Obs immer Hostel sein muss weiß ich nicht. Tourismus ist etwas verdammt schönes … wenn es ins Bild passt und sich natürlich entwickelt. Dann fühlt man sich glaub ich auch wohl. Stadtführung ist wirklich ne gute Idee … kann man mal im Kopf behalten :-)
LG. M