Eigentlich ist es immer so: Mann oder Frau starten zu einer Reise, es wird gründlich gepackt aber man wird das Gefühl nicht los irgendetwas vergessen zu haben. Nach einer Stunde ist es mir gestern eingefallen: den Atlas haben wir vergessen und nichts ähnliches im Auto, was uns den Weg von Norwegen nach Deutschland zeigt. Naja, bis zur Fähre war der Weg klar, dann irgendwie durch Dänemark und von Hamburg nach Leipzig. Alles ohne Karte, wird schon gut gehen, dachte ich mir.
Gegen halb drei ging es am Montag los, mit zwei Auto so das wir uns nicht abwechseln konnten. Naja, werden wir schaffen. Ich selbst war noch leicht angeschlagen und Anja hatte es übers Wochenende so richtig erwischt. So ging sie am Montag auch nicht in die Schule (verbrachte schon den halben Sonntag im Bett) sondern versuchte langsam zu packen und sich noch etwas zu schonen, was aber nicht ganz gelang.
Am Sonntag kam wie schon erwähnt die Kälte an und damit die glatten Straßen. Sommerreifen, Sommerreifen, Sommerreifen ging es immer im Kopf rum. Am Montag war es auch noch kalt, aber nicht mehr ganz so glatt. Nach etwa 20 Minuten fahrt sahen wir die ersten weißen Berge. Es war echt ein schöner Anblick! Die Strecke die wir fuhren sind wir sonst selten unterwegs und so war es neuer, ungewohnter Anblick für uns und eigentlich auch ein schöner Anblick, bei dem man schon bei der Abreise weiß, hier komme ich gern zurück. Und vor allem so nah es war! Vielleicht haben wir ja Glück und in den nächsten zwei Wochen fällt etwas Schnee sodaß wir dann bald in der Gegen mit Langlauf anfangen können.
Doch zurück zu Reise: Kein Atlas dabei, Sommerreifen und teilweise Schneereste auf der Fahrbahn. Das war der Start aber es lief alles entspannt. Wir fuhren vorsichtig und waren manchen LKW-Fahrern zu langsam die uns dann mit Lichthube erinnerten, wir sollten nicht trödeln. Also ab und an mal rechts ran und alle vorbeiziehen lassen. Wenn man eh nur max. 90 km (das schon auf Autobahnen!!!) fahren kann, wird halt fast jedes km ausgenutzt. Die 200 km bis nach Kristiansand schafften wir in 4 Stunden und waren so 45 min vor Abfahrt der Fähre da. In den wenigen Warteminuten interessierte sich doch glatt der Zoll noch für Anja und ihren Norwegenaufenthalt, aber es ging auch ohne Auspacken zu Ende. Wir schafften es auch noch auf die Fähre und hatte da wohl auch etwas “Glück”. Zumindest war sich das Personal nicht sicher, ob alle Auto draufpassen. “Sei zu Weihnachten immer das Gleich”, so eine Einweiserin.
Die Fährfahrt war nicht schön: Im Rauf mit den Schlafsesseln war die Lüftung irre Laut, dann spürte man überall leise den Schiffsmotor. Ohne Schlafen überstanden wir die Fährfahrt, ruhten wenigstens zwei Stunden und waren nach etwa 4,5 Stunden Überfahrt gegen Mitternacht in Dänemarkt. Eigentlich eine schlechte Ausgangslage: 1000 km vor uns und ohne Schlaf.
So war dann auch die Fahrt in Dänemark. Wir brauchten lange, fuhren nicht so schnell (Sommerreifen, Sommerreifen, Sommerreifen) und waren müde. Die Dunkelheit gab dem noch den Rest und so hielten wir 2x auf nem Parkplatz für eine Stunde an. Ein bissl Schlaf war auch drin, zumindest so lange bis die Kälte uns Weckte. In der Morgendämmerung erreichten wir Hamburg. Deutlich wurde mir so nochmal, das es doch einen ganz schönen Unterschied gibt bezüglich Sonnenauf- und Untergang. Wenn ich in Bryne morgens um 8 Uhr auf Arbeit gehe, ist es noch Schwarz wie die Nacht. Dämmerung ist zwischen halb und um neun. Aber hier wares um 8 Uhr schon ziemlich weit mit der Dämmerung.
Außerdem ist nochmal deutlich geworden, dass in Norwegen doch die Straßen mehr beleuchtet sind. Ganz schön ungewohnt, wieder auf einer dunklen Autobahn zu fahren. Es war wirklich als ob man vor einem schwarzen Loch steht. Aber man gewöhnte sich dran und dafür beleuchtet man in Dänemark viel mehr die Häuser. Sehr lustig (und ab und an wenigstens ein Abwechslung) die angestrahlen Industrie- und Bürogebäude entlang der Autobahn, die man alle, wirklich alle, von außen anstrahlt, so wie in in Deutschland historische Gebäude.
Regelmäßige Pausen halfen uns gut über die Strecke und wenn es hell ist, ist man auch nicht so extrem müde. Über Hamburg ging es nach Hannover und dort gab es einen kleinen Umweg. Wir waren uns nicht sicher und fuhren so nicht gleich auf die A2 in Richtung Berlin sondern weiter südlich. Mein Gefühl meinte, es könnte nicht stimmen und rief so meinen Schwager Uwe an. Er konnte mir am Telefon quasi den Atlas spielen und so ging es wieder 30 km zurück.
Ich muss echt sagen, auf deutschen Autobahnen wird zu schnell gefahren und ich bin für Geschwindigkeitsbegrenzungen – überall! Manchmal ergaben sich bizzare Bilder: Man selbst auf der Mittelspur und gerade am Überholen eines polnischen oder ukrainischen Autohändlers, der auf seinem Anhänger nen Luxuswagen nach dem Autounfall drauf hat. Und während man entspannt überholt wird man auf der linken Spur von eben einem solchen Luxusauto mit irrem Tempo überholt, das den Unfall noch vor sich hat. Teilweise echt stressig die Fahrt, da wenn eben die rechte und manchmal auch mittelste Spur von LKWs belegt ist, man sich kaum traut nach links auszuweichen weil dort eben mit Tempo 200 gefahren wird.
Letztendlich waren wir nach fast genau 24h in Leipzig. Die Reise war länger als geplant und ziemlich anstrengend. Aber wir sind gesund und naja, auch etwas munter, angekommen und das ist wichtig. Die Einfahrt nach Wurzen war grau, sehr grau und es war mir deutlicher als sonst. Gestern gabe s dann noch Nele, meine Nichte, das erste mal live zu sehen. Ein süßer Mops sag ich euch, wirklich! Am Ende ging es nach anderthalb Tagen fast ohne Schlaf zeitig ins Bett. Werd wohl heute erst so richtig Gespräche aufnehmen können, gestern war ich einfach zu müde dafür.
Tach Markus und Anja,
hoffen, die Fahrt hat net wieder 24h gedauert! ;)War echt schön euch wieder mal in LE gesehen zu haben, gemeinsam die Holbein-küche aufzuräumen und ins neue Jahr zu feiern. lg aus Ilmenau, Sören und Heike
Hei ihr zwei, jaja, die Fahrt ging recht gut und sind prima wieder angekommen. Heute, Samstag, abend – VERSPROCHEN – gibt es dann auch mal nen ausführlichen Bericht hier! Wollen jetzt erstmal raus und aufs Rad. Ihr seid gut angekommmen? Hab von Eva gehört ihr seid noch ein Stück zusammen gereist. Danke noch für das schöne Holbein-Wochenende. War wirklich sehr schön und entspannt!
Viele Grüße aus Bryne nach Ilmenau,
Markus + Anja